Sylvi und Daniel auf Sardinien
 
Diese Bilder entstanden während unseres Sardinien-Urlaubes im April 2007 und zeigen größtenteils die verschiedenen Etappen des Sentiero Selvaggio Blu, eines Wander- und Kletterpfades, der sich im Osten der Insel entlang einer eindrucksvollen Steilküste schlängelt. Dabei durchsteigt man felsige Abhänge, gelangt in einsame mit Grotten und kühnen Felsnadeln umrahmte Buchten, es gilt unwegsame, dornige Hochplateaus, stets mit einem Fuße über schwindelerregenden Steilklippen zu durchmessen, wobei doch jede Anstrengung mit imposanten Ausblicken, bizarren Felsformationen oder wildromantischen, mit Oleander bestandenen Taleinschnitten belohnt wird.
 
Mit Nahrungsmitteln und Wasser bepackt wird vor Aufbruch die neue Karte studiert
 
1. Frühstücksplatz zwischen Santa Maria Navarrese und
Pedra Longa
 
Wir ergänzen unsere Speisekarte um die Früchte dieses Landes ...
 
pedra longa
Die Felsspitze Pedra Longa
 
Beginn ist der kleine Ort Santa Maria Navarrese, unweit der 280 m hohen Felsspitze Pedra Longa. Mit voll gepackten Taschen, es sollte sich herausstellen, dass es bis zur Stadt Cala Gonone keine planbare Möglichkeit zur Nahrungsmittelaufnahme geben sollte, meisterten wir den ersten anstrengenden aber gut zu Fuß zu erlaufenden Abschnitt, bis wir in einem kleinen Tal, 100 m über dem Meer, nächtigten. Ein kleiner Wasserlauf am Fuße der Giradili-Spitze, etwas nördlich von Pedra Longa, bedeutete die vorerst letzte Möglichkeit zum Auffüllen der Wasserreserven; unser nicht zu reichlicher Vorrat maß 14 Liter Flüssigkeiten.
 
Pedra Longa von Norden
 
Am Fusse der Giradili-Spitze
 
Der letzte erfrischende Wasserlauf mit Badegumpe
 
Durch wilde Schluchten führt uns der Selvaggio Blu
 

Am Ende des Tages befinden wir uns in beträchtlicher Höhe, haben aber kaum Strecke in der
Horizontalen zurückgelegt

 

Anschauliche Geomorphologie:
Eine einzige große Baumwurzel hat einen LKW-großen Block
von der Wand gesprengt (Sylvi steht halb verdeckt dahinter)

 
Der Pfad führt uns oftmal an tiefen Abgründen entlang,
links das Tal in dem wir nächtigten
 
Eine waschechte Boofe, links ein Paradebeispiel einer Wegmarkierung des Sentiero
 
Morgendlicher Blick aus der Schlafstätte auf die Steilküste
 
Sylvi ganz légére vor dem Abgrund
 
Ein kleiner Meeresarm bringt rettendes Bad
in brütender Mittagshitze
 
Der Farbkontrast zwischen dem weißen Kalk und dem türkisblauen Meer ist ständiger
Begleiter auf diesem Weg
 
Am Ende des zweiten Tages erreichten wir nach ersten Kletterpassagen und zum Baden einladenden türkisblauen Meeresbuchten den Strand von Cala Goloritze. Der Weg war bis dahin sehr gut markiert, ungeachtet dessen ließen wir uns die eine oder andere Ehrenrunde durch die Macchia nicht nehmen. In Cala Goloritze angelangt, beschlossen wir in Anbetracht der atemberaubenden Erscheinung der Aguglia den nächsten Tag dem Strandleben und der Besteigung dieser ausgesetzten Felsspitze zu widmen. Nach Ausloten der hiesigen Klettermodalitäten in viel zu schweren Wegen gelang uns erst gegen 18 Uhr der Einstieg in die nunmehr entvölkerte Nordwand. Nach zweieinhalb Stunden begeisternder Kletterei über die 135m lange Route "Sole Incantatore" brach auf dem Gipfel entkräftet die Dunkelheit über uns herein. Nach mehr als einstündiger Abseilarbeit über zum Teil 28m messende unübersichtliche Abseilpisten, verspürten wir schließlich sicheren Boden unter den Füssen und ließen, eines freudigen "Heil Empor"s gleich, das Entkorken der obligatorischen Weinflasche durch die Bucht hallen. Nach langer Zeit wieder richtigen Durst verspürend, fanden wir am Wandfuss in Goloritze ein kleines genießbares Rinnsal vor, das uns in langwieriger Schöpfarbeit die Betankung unserer Wasservorräte ermöglichte.
 
aguglia
Unser Schlafplatz am Strand der Cala Goloritze,
im Hintergrund die Aguglia, auf
der rechten Abrasionsplatte ist das kleine Rinnsal erahnbar
 
cala goloritze
Die famose Felsnadel der Aguglia,
die linke Linie der Silouette markiert in etwa
unseren Aufstieg
 
Sonnenaufgang
 
Sonnenaufgang
 
SONNENAUFGANG !!!
 
Zum Größenvergleich: an der rechten Kante befindet sich auf
halber Höhe ein Kletterer, der Normalaufstieg führt vom
tiefsten Punkt der Nordseite zum Baum und über die darüber befindliche
graue Wand, dann senkrecht hinauf, die Kante entlang bis zum großen Band,
dann zum nächsten Band und eigentlich schräg zur linken Kante,
wir wählten aufgrund einbrechender Dämmerung den leichteren
Weg direkt durch die Nordwand
 
Strandschönheit
 
Die nächsten Etappen führten uns über einen wesentlich spärlicher ausgewiesenen, dafür aber um Einiges unpässlicheren Pfad über abenteuerliche Kletterstrecken und verschlungene Wege in ständigem Auf und Ab die Steilküste entlang. Sämtliche Quellen erwiesen sich trotz des regenreichen Frühjahrs als nicht wasserführend, doch fanden wir Erlösung in den Tiefen einer reich mit blütenweißen Sintern geschmückten Höhle, in einem kleinen von abtropfenden Stalaktiten gespeisten Auffangbecken. In der Ausgelassenheit des auf einem schmalen Felsband unter einer mit Tropfsteinen übersähten Höhlung eingerichteten Schlafplatzes, mit Blick auf Sternenhimmel und das zu Füßen liegende Meer, waren es der abendlichen Weinflaschen gleich zwei …
 
Blick auf die Spitze Mudalore im Vordergrund,
im rechten Hintergrund die langgestreckte Bucht von Cala Gonone
 
Wir durchqueren riesige mit Stalaktiten behangene Grotten
 
Zum Teil kriecht man auf weniger als 1 Meter breiten Felsbändern direkt über dem Meer
 
Kletterpassage über einen schmalen Grat, IIIer-Gelände
 
Biwak unter leichtem Überhang mit traumhafter Aussicht, rechts der Abbruch zum Meer
 
Am letzten Tage bekamen wir nochmals die Eigenheiten dieses Pfades zu spüren. Die ächzenden knarzenden Geräusche der weißgrauen Wacholderstämme, auf derer Rücken man so manchen exponierten Meter balancierend zu überwinden hatte, prägten sich wohl mit ähnlicher Intensität ins Gedächtnis, wie das strohige Rascheln des Laubes der sich biegenden Steineichen, von denen es stets erneut über überhängende Felswände zum Meer hin abzuseilen galt. Nach dem Erreichen unserer Schlafgrotte am Strand des vorläufigen Zieles Cala Sisine verwöhnten wir uns mit einem üppigen Mahle am flackernden Kamin in der kleinen Lehmhütte des von wildem Strauchwerk umrankten Trattoria di Sisine und ließen den Kerzenschein samt der Anstrengungen der letzten Tage in den rubinroten Karaffen des Vino de la Casa verschwimmen …
 
Felstor über dem Tal des trockenen Bacu Feilau
 
Der Blick schweift nach Südosten über die zurückgelegte Strecke kreuz und quer durch
die Wände der Steilküste
 
Von Scottie erwischt in der Schlucht "Sa Nurca"
 
Auf den letzten Metern der 40m-Abseilstrecke,
das Seil liegt um das klapprige Bäumchen,
sämtliche Gesten Daniels verweisen auf seinen Todesmut
 
Die letzten Kletterstellen sind sogar mit Drahtseilen gesichert
 
Übernachtungsgrotte in Cala Sisine unweit des unbegrenzten Vorrates an Hauswein
 
Nach einer sich doch als anstrengender als gedacht erweisenden Überführungsetappe über Cala Luna nach Cala Fuili, klang dort unser Urlaub in kletternder, Wein trinkender und schlicht weg genießender Art und Weise aus, bevor wir uns über die Pizzerias Cala Gonones auf den Heimweg begeben mussten …
 
cala fuili
Cala Fuili, im Bild die ersten Sektoren direkt am Meer
 
Ausgedehntes Frühstück am Fuße der Kletterwände in Cala Fuili
 
Zeit, sich von den Blessuren der vergangenen Tage zu erholen
 
In diesem überhängenden Sektor bleibt einem nur zu Staunen übrig ...
 
Sylvi ... so kennt man sie
 
Das letzte ausschweifende Lager in der Schlucht von Fuili
 
 
 
 

Nützliche Tips zum Selvaggio Blu:


- an Wasser gelangt man auf dem Weg nur sehr schwer, aber u.a. in der Campingbar oberhalb von Cala Goloritze; dies ist ebenfalls der einzige Ort, wo man z.B. 7 Panini für 21 € und die Flasche Wein für 8 € erwerben kann

- die Tour ist ursprünglich für 6 Tage ausgeschrieben, in anstrengenden Ganztagesetappen aber auch in 4 Tagen zu bewältigen

- die Kletterpassagen fallen vermutlich leichter als die ausgewiesenen 4+ aus und können von einigermaßen Geübten allesamt seilfrei begangen werden

- für die Abseilpassagen ist ein Seil allerdings unabdingbar; die letzte Wand ist entgegen der Beschreibung mit ihren 30 m per 60m-Einfachseil gerade so zu bewältigen

-
Achtung: nach der ersten Abseilstrecke hinter der Schlucht „Sa Nurca“ folgt eine weitere 40m-Abseilstrecke, die in der Beschreibung unerwähnt bleibt; mit 60m-Seil ist einsträngiges Abseilen möglich, der Letzte muss allerdings vorlieb mit einem armdicken maroden Baum in einem locker-blockigen Riss 10m über Boden nehmen; über dessen weitere Verweildauer an diesem Ort wage ich nicht zu urteilen, doch ohne diesen ist die Passage mit 60er Seil in keiner Weise zu bewältigen; evtl. weiteren 15-20m-Strick anknüpfen, für sehr schwere reichen vielleicht schon 10m

- Weg möglichst nicht an italienischen Feiertagen begehen, da geführte 10köpfige Gruppen ein Anstehen an oft stark steinschlaggefährdeten Seilpassagen garantieren

- Wegbeschreibung anbei oder im Buchladen in Santa Maria Navarrese zu erwerben

CIAO !!!
Beschreibung - Spitze zu Spitze
Beschreibung - Bucht zu Bucht 1 / Bucht zu Bucht 2
 
Zurück zu Bergbilder
Home